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  • Lina Alice

Leben und Arbeiten in Australien

Ich glaube es ist wichtig an einen Punkt im Leben zu kommen, wo man alles in Frage stellt. An diesen Punkt, wo alles seinen Wert verliert. Dieser Moment, der dir erlaubt, einfach mal alles loszulassen, um über die Angst hinaus zu fühlen. Einfach mal zu schauen, wo die Vision hingeht, wenn alles was im Außen stattfindet, keine Rolle mehr spielt. Meistens sind es Tiefpunkte, die diesen Aufbruch vom Gedankengerüst auslösen. Bei mir hat sich das erst ziemlich schmerzhaft und dunkel angefühlt – bis es mir irgendwann möglich war mit alldem zu sitzen und mich hinzugeben.

Es war mir nicht mehr von Bedeutung einen festen Job, eine Wohnung, ein Auto und nicht das nötige Geld für eine Reise zu haben. Ich sparte Geld, bis diese Summe mir erlaubte ein Visum zu beantragen, einen Flug zu buchen und um mir eine Unterkunft zu finanzieren, bis ich dann auf Reisen einen Job finden würde. Ich ging nach Australien auf einem Working Holiday Visa (Lass’ es uns WH nennen). Ich trainierte Pferde, zog so nah wie möglich ans Meer, reiste per Anhalter (Don’t try at home), arbeitete hinter Bartheken und schlief für Monate in einem kleinen Zelt. Lebte in einer Kommune, schwamm in Wasserhöhlen, arbeite als Au Pair, arbeitete als Farm Hand auf einer Kiwi Farm und auf Weinbergen, wo ich Reben beschnitt.





Es war bereichernd, zu sehen, wo der Wind einen hinträgt, wenn man die Richtung nicht selbst zu bestimmen versucht. Weder einem Ziel noch einer Vision zu folgen. Was auch immer vor mir lag und sich richtig anfühlte, war mein nächster Schritt. Jede Entscheidung war intuitiv. Es hat mir erlaubt mich selbst von einer anderen und viel tieferen Seite kennenzulernen. Diese Seite, dir nur spricht, wenn es still genug ist.

Die oben genannten Farmen waren meinem Second Working Holiday Visa geschuldet. Wenn man innerhalb des ersten Aufenthaltes (first WH), drei Monate spezielle Arbeit leistet, kann man damit ein zweites WH beantragen (weitere 365 Tage). Nach einer Weile fand ich Arbeit und reiste zu einer kleinen Familienfarm auf der ich Kiwis pflückte und sortierte. In meinem zweiten Job wurde ich von einem französischen Winzer eingearbeitet, der mir lehrte die richtigen Triebe an den Knoten der Haupttriebe zu entnehmen und nur die kräftigsten stehen zu lassen. Während der Farmarbeit hatte ich viel Zeit um nachzudenken. Genug um mich langsam wieder an Visionen/Träume zu wagen. Ich malte mir aus wie es wäre, weiterhin hier zu bleiben und irgendwie unabhängig von Ort und Zeit zu sein, um das notwendige Geld zu verdienen. Heimat fühlte sich damals schon sehr fern an und besonders fern von der Idee zurückzukehren.

Als mir mein zweites WH genehmigt wurde, registrierte ich mich als Freiberufler (Auf beiden Visas möglich). Tagsüber baute ich mein freelance Business als Designerin auf, bis ich dann Abends wieder hinter Bartheken stand. Nach und nach kam es mehr dazu, dass mein Partner mich mit auf seine Gigs nahm und als offizielles Duo spielten. Am Ende stand und stehe ich bis heute auf der Bühne - treffen unfassbar viele Menschen und Geschichten, sehen unfassbar viele Orte und legen viele Kilometer zurück.



Als es zum Ende meines zweiten Visum kam, traf Ich die Entscheidung mich zum College einzuschreiben um meinen Aufenthalt zu verlängern und gleichzeitig Arbeitserlaubnis zu haben. In Australien kann man sich auf internationale Colleges bewerben, einen dicken Batzen Geld bezahlen und ein Study Visa zu beantragen. Für sechs Monate habe ich meine Zeit abgegessen, bis ich dann mein Certificate V in ‘Entrepreneurship Business in den Händen hielt. Bis dahin war genug Zeit vergangen, um sich auf ein Partner Visum bewerben zu können (Mein Partner ist Aussie). Dieses Visum ist bis heute in Bearbeitung und ich warte darauf, dass es eines Tages durch geht, welches dann ein permanentes Visum ist.


Ich danke euch für so viele Nachfrage eurerseits zu diesem Thema. Je nach Response auf diesen Post eurerseits, werde ich das ein oder andere oben genannte Thema nochmal in Tiefe ausschreiben.

Take care, yours Lina

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© 2020 by Lina Alice, Australia, Katoomba